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TV-Kritik zu: "Tatort: Der schwarze Ritter" (SWR) ARD, 21.05.2000, 20.15 Uhr |
F.A.Z. vom 23.05.2000, Seite 50
Sein letzter SeufzerIm Zirkus auf dem Teppich bleiben: "Tatort. Der schwarze Ritter"Manuskriptfassung!Unterschätze niemals den Befund des Pathologen! So einfach lautet die Moral von der Geschicht', die Lena Odenthal am Sonntag abend aufzuklären hatte. Der schwarze Ritter sei zwischen zwei und drei am Nachmittag gestorben, befand der Rechtsmediziner aufgrund der Leichentemperatur. Nur wenn es am Tatort ungewöhnlich kalt gewesen sei, komme sechzehn Uhr als letzter Zeitpunkt für den Exitus in Frage. Offensichtlich war Mercier, der Kaskadeur im Freizeitpark, nach seinem Tod nicht tiefgekühlt gelagert worden. Dennoch schenkte die Kommissarin den vermeintlichen Augenzeugen mehr Glauben als den Aussagen der Wissenschaft. Der Rückfall ins kriminalistische Mittelalter, der die Ermittlungen lange Zeit aufs Glatteis führte, stellte sich für den Zuschauer trotz der früh gesunkenen Spannung als Gewinn heraus. Selten hat man Ulrike Folkerts als burschikose Kommissarin in einem so intensiven Wechselspiel mit Zeugen und Verdächtigen gesehen, das vom nuancenreichen Spiel der Darsteller getragen wurde, als habe das fünfwöchige Zusammenleben des Teams am Drehort Europapark Rust auch die Konstellationen vor der Kamera verdichtet. Der schwarze Ritter war zu Lebzeiten kein Held, im besten Fall ein Frauenheld gewesen, und nahm auch kein Geheimnis in den Tod. Keine mysteriöse Figur, kein Richard Löwenherz, der einem Ivanhoe beim großen Ritterturnier inkognito zu Hilfe eilt. Der schwarze Ritter Louis Mercier: trotz seines Erfolgs ein Ritter von der traurigen Gestalt, der wenig ritterlich die Produzentin seiner Show ohrfeigt und sich im entscheidenden Moment nicht entschließen kann, mit seiner Freundin durchzubrennen. Die stößt ihm, da zum zweiten Mal von ihm im Stich gelassen, seinen Dolch ins Herz. Eine simple story in der Welt der Gaukler und Artisten, ganz ohne Tricks und doppelten Boden. Regisseur Didi Danquart war klug genug, nicht allein auf die Magie der Bilder von Freizeitpark und Zirkus zu setzen. Das bunte Treiben blieb Kulisse, ohne Kitsch zu werden; ein Augenzwinkern schien dabei, als der Hauptverdächtige theatralisch einen Miniwasserfall herabstürzte und den kleinen Rio Grande der Raftingbahn hinuntertrieb. Der obligatorische Clown trat nur stumm am Rande in Erscheinung. Im Zentrum der Arena stand dagegen Lena Odenthal, umgeben von einer Hand voll Nebenfiguren: dem Magier Magnus; Thierry, dem verbiesterten Bruder und Partner des Ermordeten; dem von Bruno Cathomas hinreißend schüchtern gespielten fassungslosen Parkmanager; und natürlich Odenthals Assistent Kopper (Andreas Hoppe), nicht minder unbedarft und komisch, der seiner Chefin in dieser Episode ein gewaltiges Stück näher kam und sich als neuer Mitbewohner präsentierte. Die stärkste Rolle aber spielte Eva Mattes als Frau Reiche. Die Produzentin der Rittershow hatte in Mercier nicht nur ihren Paraderitter, sondern auch einen dienstbaren Lover verloren und schien ihren Frust (von Trauer war nichts zu spüren) an der Kommissarin abarbeiten zu wollen. Die Wortgefechte zwischen beiden glichen Lanzenkämpfen hoch zu Ross, aufs Herz zielend und zugleich Distanz wahrend. Die Amazonen schieden schließlich mit Respekt und wohl auch einem Quentchen Sympathie von einander. Fast konnte man über diesen Duellen den Kriminalfall vergessen. Für einen "Tatort" ist das tödlich. Natürlich gab es am Ende auch eine Lösung. Aber sollte man wirklich glauben, die Zauberassistentin Zora habe ihren geliebten schwarzen Ritter im Affekt erstochen und sei darauf in seinem Kostüm die letzte Vorstellung geritten, anstatt sich gleich davon zu machen? So einfach die Geschichte war, so wenig überzeugte sie, weil sie zu wenig Einblick in die Psychologie der Täterin gewährte, um die Tat plausibel zu machen. Doch bevor Zora des Mordes überführt wird, hat sie der Hund des Toten schon entlarvt: "Der Hund irrt sich nicht." Wir glauben ihm und dem Befund des Pathologen. Achim Bahnen Alle Rechte vorbehalten. (c)
F.A.Z.
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