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TV-Kritik zu:
"Zwischenstopp"
ZDF, 24.03.2000, 22.45 Uhr

Quickie an der Startbahn West

Edelsteward Michael Steinbrecher lädt zum "Zwischenstopp" (ZDF)

Während über den Ausbau des Frankfurter Flughafens noch gestritten wird, hat das ZDF nun Fakten geschaffen und in Sichtweite zum Rollfeld ein kleines Häuschen hingestellt. Der Herr im Haus ist Michael Steinbrecher, der zwar noch nicht bei der Lufthansa auf der Gehaltsliste steht, aber als Edelsteward des Bodenpersonals eine exklusive Lounge verwaltet.

Das zweifelhafte Kompliment, der "Fachmann für das sensible Gespräch" (Harald Schmidt) zu sein, klebt an seinen dunkelblonden Locken, seit Steinbrecher im "Aktuellen Sportstudio" einfühlsam in arme Sportlerseelen horcht. Der ewige Jüngling, für die kecke Jugendsendung "Doppelpunkt" 1989 mit dem Grimme-Preis gekrönt, ist auf dem langen Weg aus der Adoleszenz noch immer auf der Suche nach (seinem) Format und vor allem: nach Authentizität. Das ist ein Schlüsselwort bei Steinbrecher, der sich für seine Starporträts gern an vermeintlich authentische Orte begibt. Auch im Gespräch mit Senta Berger durfte das Stichwort nicht fehlen: "Sie sind so authentisch in den Rollen."

Vor solch unbekümmerten, zuweilen unbeholfen wirkenden Phrasen hat Steinbrecher keine Angst. Als Berger scheu erklärt, am Ende bleibe doch ihr Mann ihre einzige Zuflucht, fällt ihm nur ein "schön gesagt" ein, das frei von Ironie und damit schon wieder von entwaffnender Offenheit ist. Momente wie diese, hart an der Grenze zum Kitsch, den er so sehr fürchtet, fängt Steinbrecher auf, indem er seinen Gesprächspartnern gleich darauf in vorsichtiger Dosierung zusetzt.

Das weich gespülte Image erlaubt es ihm, auch unbequeme Fragen ungestraft zu stellen. Die öffentliche Stimme Senta Bergers, die früher zu Abrüstung und Umweltschutz, zur Abschaffung des Paragraphen 218 laut geworden sei, "die hör ich heute seltener". Aber der Vorwurf des Rückzugs in ein unpolitisches Leben ist so nett vorgetragen, dass die Schauspielerin ihn nicht als Affront empfindet, sondern eine allgemeine "Erschlaffung" eingesteht, "ein Kapitaldenken, das uns alle ergriffen hat". Früher seien Künstler zu politischen Themen mehr gefragt gewesen. Aber als sie dann den fatalen Satz spricht, "ein bisschen muss man ja auch von oben ermutigt werden", ist die kurze Reflexion über das Verhältnis von Kunst und Politik schon beendet, und die Schwäche dieser neuen, im Wochenrhythmus angesetzten Sendung tritt hervor.

Dreißig Minuten für ein Gespräch sind eine Ewigkeit, und leider ist selbst Steinbrecher, dem man es mit seiner Geduld zutrauen möchte, nicht bereit, sie auszuhalten. Anstatt der Authentizität des Gegenübers zu vertrauen, muss die Echtheit durch fade Gimmicks zertifiziert werden: Das Haus am Rollfeld, zu dem der Gast mit einem schwarz-gelb karierten "Follow me"-Wagen gefahren wird, gelegentliche Kameraschwenks auf die Landebahn und nicht zuletzt ein kurzer gemeinsamer Abstecher in die Wartehalle des Flughafens, der sich als kommunikative Nullnummer entpuppt. Verzweifelt bemüht sich Steinbrecher dort, ein interessantes Gespräch in Gang zu bringen: "So, da gucken zwei auf die Tafel. - Sie könnte die Tochter sein." Berger versucht immerhin eine poetische Wendung und zeigt auf "ein Paar, das zupft aneinander vor Liebe". Ein Glück, dass dieser Quickie in der Wartehalle schnell vorbei ist und die beiden in das Fertighaus zurückfinden.

Doch auch hier, wo Steinbrecher trotz der sterilen Einrichtung wenigstens eine intime Gesprächssituation schaffen konnte, wurde der Dialog durch wenig originelle Einfälle unterbrochen: Vor einem Klavier auf der Empore sollte sich Berger (authentisch!) an ihre Kindheit erinnern und aus einem Regal Reisegepäck für die berühmte einsame Insel zusammenstellen. Berger nahm solche Albernheiten nicht krumm. Sie fürchtete zwar, "jetzt fragen Sie, ob ich kochen kann", aber flüsterte dem jungen Steward zum Abschied: "Ich fand's schön. Wirklich."

Achim Bahnen


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